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Von dem knappen Dutzend verschiedener Hexenwelse, die wir in der Aquaristik kennen, ist Hemiloricaria lanceolata wohl eine der bekannteren und immer wieder gern gepflegten Arten. Und wer auf seinen Streifzügen durch die Zoofachgeschäfte etwas genauer hinschaut, wird diesen skurrilen Wels bestimmt einmal entdecken. Im Händlerbecken noch ziemlich scheu, wird er im Aquarium nach der Eingewöhnung wahrscheinlich sehr bald Wohlbefinden zeigen und sich danach häufiger sehen lassen.

Sie mögen zwar etwas unheimlich aussehen, die dunkel gefärbten Welse, wie sie meist reglos an einem Stück Holz oder auf dem Bodengrund herumliegen, doch das Aussehen dient lediglich als Tarnung. Mögliche Raubfische übersehen die dunkelbraun gefärbten Hexenwelse sehr leicht oder halten sie womöglich gar für ein lebloses Stück Holz. So verlassen sich die Harnischwelse (Loricariidae) ganz auf ihre Tarnfärbung und flüchten erst, wenn man ihnen zu nahe kommt. Anderen Fischen tun sie absolut nichts zuleide.
Es ist sehr schwer, innerhalb einer Population von Hemiloricaria lanceolata zwei nahezu identisch aussehende Individuen zu finden. Kaum ein Tier ähnelt dem anderen. Nicht nur die dunkle Grundfärbung kann in den unterschiedlichsten Braun- und Grautönen bis hin zu schwarzen Zeichnungselementen variieren, sondern auch das Zeichnungsmuster auf der Bauchseite: Manche Weibschen sind hier attraktiv marmoriert, während die meisten anderen Exemplare eher schlicht braun gefärbt sind. Die Grundfarbe kann bei den Tieren von rehbraun bis tiefschwarz variieren und das selbst bei Tieren, die man zusammen aus dem Bach fischt.

Hemiloricaria lanceolata ist nach heutigem Wissensstand weit über das tropische und subtropische Südamerika verbreitet, mit Kerngebiet Amazonien; sowohl in Kolumbien, Ekuador und Reu als auch in Brasilien ist die Art anzutreffen, und auch Teile des Guyanaschildes werden besiedelt. Offenbar ist die Art in biologischer Hinsicht recht erfolgreich. Wegen seiner weiten Verbreitung und seiner nicht unattraktiven Färbung wird der Schokoladenbraune Hexenwels verhältnismäßig oft importiert. Schwerpunkte bilden hier die Länder Peru und Brasilien, aus denen regelmäßig neue Importe zu uns kommen.
Hemiloricaria lanceolata wird im Aquarium maximal etwa zwölf Zentimeter lang. Dabei handelt es sich allerdings auch um recht große weibliche Tiere. Diese erkennt man bei gutem Ernährungszustand immer an die gerundete Bauchpartie. Männliche Hemiloricaria lanceolata wiederum tragen einen dichten, struppigen Backenbart. Bei einigen besonders schönen Tieren ist dieser fast weiß, was gut mit dem schwarzen Kopf solcher Tiere kontrastiert. Eine sehr ähnliche Art ist übrigens Leliella heteroptera, die kleiner bleibt und bei der die Männchen einen viel kürzeren, weniger dichten Backenbart aufweisen. Falsch gepflegte Hemiloricaria lanceolata sind recht scheu und kommen erst nachts aus ihren Verstecken hervor. Fühlen sie sich dagegen sicher, gehen sie auch tagsüber auf Nahrungssuche und legen ihre Scheu mit der Zeit völlig ab.

In Behältern ab 100 Liter Wasserinhalt lassen sich gut einige Tiere zusammen pflegen. Im Allgemeinen auch untereinander recht friedlich, rangeln lediglich die Männchen manchmal um die besten Plätze. Je größer das Aquarium, desto besser können sie sich aus dem Weg gehen. Es hat sich gezeigt, dass gerade der Schokoladenbraune Hexenwels in größeren Aquarien viel weniger scheu ist als in kleineren Behältern. Neben Holzwurzeln und Steinaufbauten, die sich sehr gut zu Höhlen zusammenstellen lassen, werden vor allem röhrenartige Verstecke gern von den geschlechtsreifen Männchen angenommen. Neben halbzölligen oder zölligen PVC-Röhren eignen sich dazu auch Bambusrohre mit einem entsprechenden Durchmesser hervorragend. Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine vernünftige, strömungsreiche Filterung, die das Wasser kristallklar hält. Regelmäßige Wasserwechsel von etwas einem Drittel pro Woche sind ebenfalls wichtig und steigern das Wohlbefinden dieser Welse.
Bei artgerechter Pflege werden die erwachsenen Weibchen des Schokoladenbraunen Hexenwelses relativ schnell Laichansatz zeigen. Dabei können im kugelrunden Bauch über 200 Laichkörner Platz finden. In der Fortpflanzungszeit entwickeln die Männchen ihren Backebart und beziehen immer häufiger die spätere Laichhöhle. Ist das Weibchen laichbereit, versucht es von sich aus in eine von einem Männchen besetzte Röhre zu gelangen. Vor allem bei den ersten Malen kann es so zu einem ziemlichen Gedränge in der Röhre kommen, das mehr als eine Woche andauert, bevor endlich die ersehnten Eier zu sehen sind, die danach vom Männchen bewacht werden.

Die orangeroten Laichkörner kleben in einer Schicht dicht an dicht am Röhreninneren und werden vom Vater betreut. Während der etwa zwölftägigen Brutperiode sind es besonders die jungen, noch unerfahrenen Männchen, die sich auch schon mal am eigenen Laich vergreifen und diesen auffressen. Für dieses Verhalten ist Rineloricaria lanceolata bekannt: Die Männchen dieser Art gelten gemeinhin als schlechte Brutpfleger, die besonders in den ersten Tagen bei der geringsten Störung ihre Eier fressen oder das Gelege verlassen. Nicht zuletzt deshalb gilt diese Art als etwas schwierig in der Zucht.

Nach dem Schlupf flüchten die Jungen sofort aus der Röhre und kleben dann irgendwo im Aquarium an der Dekoration und den Scheiben. Die Anfütterung gelingt mit Artemia-Nauplien und gefrosteten Rädertierchen. Bei der Aufzucht muss man auf peinlichste Sauberkeit achten; jede Nachlässigkeit kann zum Verlust der gesamten Brut führen. Die Jungen wachsen relativ langsam und können erst etwa nach einem halben Jahr abgegeben werden.