Das Aquaristik-Magazin
bei aquaristikartikel.com
Fachartikel, Videos und
Bildergalerien

Als Anfang der 90er Jahre der Boom der Panzerwelse richtig in Schwung kam, befand sich unter den importierten Tieren beinahe wöchentlich eine aquaristisch neue Art. Selbst die Spezialisten hatten Mühe, die richtigen Artnamen für ihre Fische herauszubekommen. Besonders begehrt waren Wildfänge von Corydoras sterbai, und die Liebhaber erkannten anfangs nicht, dass zwischen den Sterbai Prachtpanzerwelsen noch eine andere Art schwamm, die ein ähnliches Zeichnungsmuster besitzt. Bei ihr handelte es sich um Corydoras haraldschultzi.

Es ist dabei gar nicht einmal so schwer, die beiden Arten zu unterscheiden. Corydoras sterbai hat immer eine dunkle Grundfärbung. Besonders der Kopf ist meist dunkelgrau gefärbt und trägt auf diesem Grund eine Anordnung von kleinen hellgrauen bis weißen Punkten. Die Kopfform ist abgerundet. Die Schnauze von Corydoras haraldschultzi hingegen läuft spitzer zu. Die Grundfarbe von Kopf und Körper ist hellgrau. Am Kopf trägt Corydoras haraldschultzi schließlich ein Muster aus schwarzen Punkten und kleinen wurmförmigen Linien. Wer genauer hinschaut, wird diese Unterscheidung schnell nachvollziehen können.

Ebenso ist bei ausgewachsenen Tieren die Unterscheidung der Geschlechter meist gut möglich. Die Weibchen werden etwa einen Zentimeter größer als die Männchen und haben eine etwas fülligere Körperform. Auch sind die Rückenflossen kleiner und die Brustflossen etwas zierlicher. Bei den Männchen sind die Flossen außerdem meist etwas stärker ausgezogen. Bei noch nicht ausgewachsenen Tieren kann es anhand dieser Merkmale allerdings durchaus einmal vorkomme, dass sich ein zunächst für ein Männchen gehaltenes Tier später doch noch als Weibchen entpuppt.
Die beiden Panzerwelse stammen aus dem Brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Dort leben sie gemeinsam in den gleichen Gewässern - und zwar im Einzug des Rio Guaporé. Die Wassertemperaturen in den Klarwasser führenden Biotopen liegen zwischen 27 und 30°C, also recht hoch. Es hat sich gezeigt, dass beide Arten solche Temperaturen auch im Aquarium eindeutig bevorzugen und sich erst ab 26°C richtig wohl fühlen. Eine Zone mit Sand, in dem die tagaktive Gesellen gern nach Futter buddeln, kann jeder Aquarianer recht leicht in sein Aquarium einbringen. Dann fehlt eigentlich nur noch eine kräftigere Filterströmung und die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Pflege sind gegeben.
Corydoras Arten wühlen in der Regel nicht im Bodengrund. Nur wenn sie schlecht gefüttert werden, kommt es vor, dass sie ein bis zwei Zentimeter tief in den Boden eindringen, insbesondere wenn sie hier eingegrabenen Tubifex, die viele Arten gerne mögen, erbeuten können. Ansonsten gründeln sie nur an der Oberfläche des Bodens. Tiefer als zwei oder drei Millimeter kommen sie dabei kaum einmal.
Soweit es die Fütterung betrifft, werden Panzerwelse oft völlig falsch eingeschätzt. Es kann nicht genug betont werden, dass Panzerwelse keine "Restevertilger" sind, die sich damit zufrieden geben, nur jenes Futter zu erhalten, welches die anderen Fische nicht schnell genug auffressen. Sie wollen also gezielt, ausreichend und abwechslungsreich gefüttert werden. Der Zoohandel bietet eine Vielzahl von Futtertabletten, die schnell absinken und sich erst am Bodengrund langsam auflösen. Auch tiefgefrorene Rote Mückenlarven, Wasserflöhe usw. sinken nach dem auftauen schnell ab und werden von den heraneilenden Panzerwelsen gierig genommen.
Panzerwelse sind Eierleger, die sich nach dem Ablaichen nicht weiter um den Nachwuchs kümmern. Mittlerweile ist Corydoras sterbai schon häufig nachgezüchtet worden und die meisten der im Angebot befindlichen Tiere stammen heute aus Züchtereien. Es kann deshalb im Gesellschaftsbecken relativ schnell vorkommen, dass nach einem größeren Teilwasserwechsel plötzlich Eier an den Aquarienscheiben kleben. Diese lassen sich nach einigen Stunden bequem absammeln und separat erbrüten. Corydoras haraldschultzi stellt in punkto Fortpflanzung offenbar höhere Ansprüche an den Pfleger, jedenfalls ist es bislang kaum vorgekommen, dass er ohne Bemühungen seitens des Pflegers im Aquarium ablaichte. Die Tiere laichen meist nachts und scheinen ihrem Laich auch stärker nachzustellen, als es die Corydoras sterbai tun.

Zu den Prachtpanzerwelsen rechnet man einige Arten der Gattung Corydoras, die durch ihre besonders hübsche Färbung aus der Masse hervorstechen. Neben Corydoras sterbai und Corydoras haraldschultzi mit ihren orangefarbenen Brustflossen sind dies unter anderem auch noch Arten wie Corydoras araguaiaensis, Corydoras maculifer und der besonders hübsche Corydoras pinheiroi. Dazu kommen noch: C 122 und die ganz seltenen bolivianischen arten Corydoras isbrueckeri und Corydoras noelkempfi, die erst vor einigen Jahren neu beschrieben wurden. Diese Arten kommen alle aus wärmeren Gebieten und sollten auf Dauer nicht unter Temperaturen von 26°C gepflegt werden.