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Tänzer im Aquarium - der Phantomsalmler

Unter den Salmlern gibt es haufenweise schöne Arten, die sich besonders gut für die Pflege im Aquarium eignen. So finden wir in der Familie der Echten Salmler oder Characidae in der Gruppe der so genannten "Rosy Tetras" eine Reihe von Arten, die als Phantomsalmler bekannt geworden sind. Bei diesen hübschen Vertretern handelt es sich nicht immer um einfache Pfleglinge und besonders die Zucht dieser Fische bereitet selbst erfahrenen Liebhabern mitunter einige Probleme. Trotzdem sind diese Fische wegen ihrer interessanten Verhaltensweisen sehr empfehlenswert.

Der "Tanz der Phantome"

Hyphessobrycon micropterus Pärchen
Ein Pärchen Hyphessobrycon micropterus.

Bei den Aquarianern sind die Phantomsalmler vor allem wegen ihrer bezaubernden Balz- und Imponiertänze berühmt geworden. Und es mögen diese Tänze gewesen sein, die ihnen einst ihren etwas geheimnisvollen, gespenstisch anmutenden deutschen Namen eintrugen. Denn zwecks Paarung besetzen die Männchen kleine Reviere, die sie vehement gegen rivalisierende Artgenossen verteidigen. Bei diesem "Tanz der Phantome" spreizen sie ihre gesamte Flossenpracht bis zum zerreißen und hinterlassen dadurch nicht nur bei ihren Kontrahenten einen mächtigen Eindruck. Und da sich in einer Gruppe von acht bis zwölf Tieren immer irgendwo ein Männchen findet, welches seine Kräfte mit einem Artgenossen messen oder sich bei den Damen ins rechte Licht setzen möchte, kommt man als Aquarianer immer wieder einmal in den Genuss eines solchen Spektakels. Allein schon deshalb sollte man diese Salmler immer in kleinen Trupps, besser noch in Schwärmen ab etwa 20 Tieren pflegen.

Leben am Ufer

Llanos
In solchen Teichen findet man Phantom- salmler, in den Llanos von Venezuela.

Bei den Phantomsalmlern handelt es sich um Arten, die in ruhigeren Gewässern, in Teichen, Seen und strömungsarmen Bereichen von Fließgewässern leben. Wenn ein Fischfänger hier mit einem kräftigen Rahmenkescher in die dichte Ufervegetation stößt, hat er mit etwas Glück einige Salmler im Netz. Denn im Schutze eben dieser Ufervegetation verbringen die Phantomsalmler ihr Leben. In die Aquarien gelangten vier Arten.


Rot, Schwarz, Gelb und Schulterfleck

Am bekanntesten ist wohl der rote Phantomsalmler, der wissenschaftlich als Hyphessobrycon sweglesi bezeichnet wird und im nördlichen Südamerika, in Venezuela und Kolumbien vorkommt. Von ihm sind einige Varianten aus verschiedenen Flusssystemen bekannt, es ist bislang allerdings noch unklar, ob es sich bei ihnen nicht vielleicht sogar um verschiedene Arten handelt.

Der schwarze Phantomsalmler Hyphessobrycon magalostomus ist aus dem zentralbrasilianischen Pantanal beschrieben. Er ist weitaus genügsamer als seine Vettern und wird auch recht häufig nachgezüchtet. Für den Aquarianer, der erste Versuche mit den Phantomsalmlern anstellen möchte, ist diese Art daher am empfehlenswertesten. Richtig gestimmte Männchen werden fast samtschwarz und balzen ihre Weibchen in diesem "outlook" an. Für jeden, der dieses Schauspiel einmal gesehen hat, bleibt es ein unvergessenes Erlebnis.

Hyphessobrycon roseus bleibt mit etwa 3,5 Zenitmeter Gesamtlänge deutlich kleiner als die anderen Phantomsalmler. Er ist auch die am schwierigsten zu züchtende und empfindlichste Art. Dafür wirkt ein größerer Schwarm in einem schön bepflanzten Aquarium aber auch besonders apart. Leider ist diese hübsche Art, welche in den Guyana-Ländern vorkommt, nur selten im Angebot des Handels zu finden.

Hyphessobrycon sweglesi Weibchen
Weibchen Hyphessobrycon sweglesi.

Eine viere Art von Phantomsalmlern ist Hyphessobrycon micropterus aus dem brasilianischen Rio Sao Franciso-Flusssystem. Die Männchen dieser Art besitzen einen Schulterfleck, der den Weibchen fehlt. Leider kommt diese hübsche Art bislang noch nicht regelmäßig in den Handel und wird auch noch nicht in größeren Mengen nachgezüchtet. Wer die Chance hat, diese Fische zu erwerben, sollte sie nutzen, denn noch wissen wir kaum etwas über die Lebensgewohnheiten dieses Phantomsalmlers.

Es war einmal... - Megalamphodus

Die hier vorgestellten Phantomsalmler wurden bis vor einigen Jahren noch in einer eigenen Gattung mit Namen Megalamphodus geführt, die insbesondere älteren Aquarianern noch geläufig sein dürfte. Doch es stellte sich inzwischen heraus, dass eine eigene Gattung für diese Gruppe nicht gerechtfertigt ist. Daher wurde die Gattungsbezeichnung Megalamphodus für ungültig erklärt und die bis dahin hierher gehörenden Arten in die Gattung Hyphessobrycon gestellt.

Erfahrung und Geduld

Die Zucht der Phantomsalmler ist nicht einfach. Die Fische sollten dazu paarweise in extra hergerichteten Zuchtbecken angesetzt werden. Die Wasserwerte sind immer schwach sauer (pH-Werte um 5 bis 6) bei niedriger Härte und Leitfähigkeit (unter 200 µS/cm) zu wählen. Es können manchmal Wochen vergehen, bis ein Paar endlich ablaicht. Es muss also im Zuchtbecken gefüttert werden. Doch haben die Tiere erst einige Male gelaicht, geht es bei späteren Ansätzen alles viel schneller und die Jungfischzahlen steigen. Auf jeden Fall bedarf es bei der Zucht außer der nötigen Erfahrung viel Geduld.

© Hans Georg Evers