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Phoenix aus der Asche - der Papageienplaty

Die Lebendgebärenden Zahnkarpfen (Poecilidae) enthalten eine Reihe von Vertretern wie Guppy, Platy oder Schwertträger, die wegen der genetischen Möglichkeiten und Variabilität ihrer Art sowie ihrer guten Kreuzbarkeit mit verwandten Arten züchterisch in vielfältiger Weise "bearbeitet" worden sind. Ein Vertreter, der sicherlich die gleiche Formbarkeit besitzt, ist der Papageienplaty (Xiphophorus variatus). Lange Zeit wurde er in dieser Hinsicht jedoch recht wenig beachtet, doch gibt es von ihm ebenfalls einige recht attraktive Zuchtformen.

Xiphophorus variatus - 30 Jahre nicht beachtet

Papageienplaty
Ein schön gewachsenes Weibchen in gelb.

Als Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts die ersten Papageienplatys eingeführt wurden, hielt man die Fische lange Zeit für wenig attraktiv. Die Männchen färbten erst spät ein und die damaligen Aquarianer wollten wohl nicht so lange warten, bis die Männchen endlich ihre herrlichen Naturfarben zeigten. Sie verschwanden schnell mehr oder weniger in der Versenkung. Doch als die Freunde der Zuchtformen Hand an diese Art legten und plötzlich wunderschöne Farben auch bei Weibchen und jungen Tieren herausgezüchtet wurden, gewannen diese Fische in kurzer Zeit an Popularität. Das war Anfang der 60er Jahre und seitdem kommen ständig neue Züchtungen auf den Markt.

Vollblut Mexikaner

Papageienplaty
Häufig kann man ganzflächige rote Exemplare der Papageienplatys finden.

Wie der wissenschaftliche Artname (variatus = der Variable) bereits andeutet, ist der sowohl in fließenden als auch stehenden Gewässern des mittleren Mexikos lebende Papageienplaty oder Papageienkärpfling in der Färbung und den Kennzeichnungsmustern enorm veränderlich. Besonders die Männchen weisen die verschiedensten Farbkleider auf. Blaue, gelbe, braune, orange und viele andere Grundfarben sind von unterschiedlich dicht stehenden schwarzen Zeichnungspigmenten überlagert, die in Punkt-, Flecken- oder Streifenmustern angeordnet sein können. Allein diese Vielfalt bietet einem versierten Züchter, der einen bestimmten Farbschlag fest herauszüchten will, eine breit gefächerte Palette an Möglichkeiten.

Verschiedene Zuchtformen

Dabei entstanden die Zuchtformen der Arten der Gattung Xiphophorus aus drei Basisarten und zwar aus dem Schwertträger (Xiphophorus helleri), dem Platy (Xiphophorus maculatus) und eben dem Papageienplaty (Xiphophorus cariatus). Standardmäßig unterscheidet man die vielen Formen nach ihrer Beflossung, ihren Grundfarben und Zeichnungsmustern. Auf Leistungsschauen werden lang ausgewogene Flossen, die ungewöhnlichsten Zeichnungsmuster mit manchmal verrückt klingenden Namen ("Mickey Mouse") und fast alle vorstellbaren Farben präsentiert und bewertet. Die jeweils schönsten Stämme werden mit Preisen ausgezeichnet. Fast überall auf der Welt gibt es heute Aquarianer, die sich diesem Teil der Aquaristik mit Feuereifer verschrieben haben.

Kreuzung mit Spiegelkärpfling

Papageienplaty
Der Spiegelkärpfling ist nahe verwandt mit dem Papageienplaty.

Der Papageienplaty (Xiphophorus variatus) lässt sich dabei im Aquarium gut mit dem Spiegelkärpfling (Xiphophorus maculatus) kreuzen. In der Natur bewohnen beide Arten unterschiedliche Gewässer und begegnen sich in der Regel nicht. Doch im Aquarium kann es leicht passieren, dass ein weiblicher Papageienplaty auch von einem Männchen des Spiegelkärpflings begattet wird. Mache Züchter, die auf der Suche nach neuen Zuchtformen sind, bedienen sich diese Umstands, um ein bestimmtes Merkmal auf die andere Art zu übertragen und versuchen dann später dieses Merkmal bei der betreffenden Art rein herauszuzüchten. Der normale Aquarianer tut jedoch gut daran, auf derartige "Kreationen" zu verzichten. Bei der Unmenge an bereits vorhandenen Zuchtformen muss nicht noch mehr gemixt werden.

Einfach zu pflegen und züchten

Papageienplaty
Männlicher Papageienplaty in gelb mit Anteil rot in der Schwanzflosse.

Viel Platz braucht die Art zwar nicht, um sich wohl zu fühlen, doch ist es angetan, Papageienplatys aufgrund ihrer großen Schwimmfreudigkeit erst in Aquarien ab ca. 80 Zentimeter Kantenlänge unterzubringen. Viel freier Schwimmraum und in den ruhigeren Zonen eine dichte Bepflanzung, die stellenweise bis zur Wasseroberfläche reicht, sind eigentlich schon die einzigen Bedingungen, die bei der Beckeneinrichtung zu berücksichtigen sind. Die Fische nehmen mit unserem zumeist härteren bis harten Leitungswasser in der Regel vorlieb. Solches Wasser entspricht den Bedingungen in ihrer Heimat oft sogar recht gut.

Auch die Zucht des Papageienplatys bereitet keine Probleme. Nach einer Tragzeit von 24 bis 30 Tagen können große Weibchen durchaus um die 100 Jungfische gebären, die sich in den Pflanzen an der Wasseroberfläche verstecken. Die Jungfische sind in den ersten Tagen etwas empfindlicher als die der Schwertträger oder Spiegelkärpflinge und benötigen auch kleineres Erstfutter. Wer die kleinen gezielt aufziehen möchte, der wird sicher immer einmal Jungfische im Elternbecken vorfinden, die alleine durchgekommen sind. Wichtig ist dazu lediglich eine stellenweise dichte Bepflanzung der Wasseroberfläche. Zwischen Riccia oder Hornkraut finden die Jungen genügend Versteckplätze und Kleinstlebewesen, die als Erstfutter dienen.

Papageienplaty
Zwei männliche Papageienplatys.

Papageienplatys, besonders die Männchen, brauchen etwa ein Jahr, um ihre volle Größe zu erreichen und auszufärben. Die kräftigsten und schönsten Männchen erhält man, wenn man regelmäßig einmal die Woche etwa ein drittel des Aquarienwassers durch Frischwasser ersetzt. Weiterhin ist es wichtig, dass die Wassertemperaturen nicht zu hoch sind. Optimal sind etwa 21 bis 24°C. Werden die Jungfische zu warm aufgezogen, färben die ersten Männchen viel zu früh aus und bleiben klein. Papageienplatys sind bezüglich der Wassertemperatur sehr anpassungsfähig und fühlen sich zwischen 18 bis 30°C wohl. Langzeitig hohe Temperaturen sollte man jedoch besser vermeiden.

© Hans Georg Evers