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Diamant im Aquarium - Neon-Regenbogenfisch

Es kommt immer wieder vor, dass es wie ein Ruck durch die aquaristische Szene geht. Händler wie Kunden haben dann Anlass zur Aufregung und Freude zugleich: Ein neuer Fisch betritt die Bühne, so hübsch und dabei so unkompliziert, dass ein jeder ihn einmal haben will und kann. Ein solcher Fisch ist der Neon-Regenbogenfisch Melanotaenia praecox. Seine geringe Endgröße und die leuchtenden Farben haben ihn binnen weniger Jahre in das Standardsortiment des Fachhandels katapultiert.

Aus dem Dornröschenschlaf geholt

Jungtier Melantotaenia praecox
Junges Männchen der Art Melantotaenia praecox.

Zu beginn der 90er Jahre des letzen Jahrhunderts ahnte noch niemand, dass es bald einen neuen Regenbogenfisch zu bewundern geben würde. Bereits im Jahre 1922 war Melanotaenia praecox beschrieben worden, doch keiner kannte seine wirkliche Schönheit. Erst als die ersten lebenden Exemplare gefangen wurden, offenbarte sich, welch eine Augenweide dort lange einen "Dornröschenschlaf" gehalten hatte. Die ersten Exemplare wurden schnellstens an versierte Züchter weitergegeben und diese brachten die Art dann auch bald zur Nachzucht uns somit in den Handel. Einige Artikel in den einschlägigen Magazinen sorgten für entsprechende Nachfrage und schon bald war der Neon-Regenbogenfisch in aller Munde!

Schwer zugänglich

Melanotaenia praecox lebt in einem schwer zugänglichen Gebiet im indonesischen Teil Neuguineas, im Flusssystem des Memberamo in Irian Jaya. Nur wenige Ausländer erhielten die Einreisegenehmigung und deshalb dauerte es wohl auch so lange, bis dieser hübsche Fisch für die Aquaristik entdeckt werden konnte.

Friedlicher Zeitgenosse

Melantotaenia praecox Männchen
Ausgewachsenes Männchen: Melantotaenia praecox.

Mit etwa sechs Zentimeter Gesamtlänge bleibt Melanotaenia praecox deutlich kleiner als viele seiner Gattungsgenossen und ist somit schon für die Pflege in Aquarien ab etwa 60 Zentimeter Seitenlänge gut geeignet. Die Männchen sind untereinander friedlich und die Art liebt es, im Schwarm zu schwimmen. So kann ein 60 Liter Aquarium gut eine Gruppe von acht bis zehn Tieren aufnehmen, denn die Tiere streiten kaum. Lediglich kleine Machtgeplänkel, die durch ausgeprägtes Prunken vor dem Rivalen gekennzeichnet sind, stören die Idylle. Doch verletzen sich die Kämpfer nicht, keinerlei Schäden werden davongetragen.

Weibchen etwas kleiner

Die Männchen vom Melanotaenia praecox werden etwas größer als die weiblichen Tiere, die etwa ein bis zwei Zentimeter im Wachstum zurückbleiben. Die Bauchregion der Weibchen ist heller und immer runder, bei guter Fütterung fast prall, wohingegen die Männchen auch in der Färbung deutlich schöner sind. Beide Geschlechter jedoch sind der Grundfarbe silbrig, wobei allerdings der gesamte Körper von einem metallisch blauen Glanz überzogen ist. Je nach Lichteinfall erstrahlen die Fische unterschiedlich stark blau. Besonders schön hebt sich dagegen die orangerote Färbung der unpaaren Flossen ab. In einem etwas abgedunkelten Aquarium, in dem die Lichtquelle von schräg vorn auf die Fische scheint, sehen diese Kleinode am schönsten aus.

Klares Wasser

Das Wasser im Aquarium für die Neon-Regenbogenfische muss nicht besonders aufbereitet werden, die Tiere kommen ohne Probleme mit den meisten Qualitäten von Leitungswasser zurecht. Zu beachten ist lediglich, dass das Wasser immer klar und gut gefiltert ist. Auch ein wöchentlicher Teilwasserwechsel von bis zu etwa einem Drittel der Gesamtwassermenge trägt sehr zum Wohlbefinden bei. Wassertemperaturen zwischen 22° und max. 26°C sind ideal. Gefüttert werden kann mit herkömmlichem Flockenfutter, doch sehen die Fische bedeutend besser aus, wenn ihnen hin und wieder Lebendfutter geboten wird. Vor allem bei regelmäßiger Fütterung mit kleinen Krebstieren wie Wasserflöhen und Hüpferligen sind die Flossen besonders schön rot gefärbt.

Dauerlaicher im Aquarium

Melantotaenia praecox Pärchen
Ein Pärchen Melantotaenia praecox.

Die Nachzucht des Neon-Regenbogenfisches ist nicht allzu schwierig. Die Art ist ein Dauerlaicher, es werden von den Weibchen jeden Tag Eier gelegt. Die Männchen beziehen kleine Reviere und laichen dort mit den in das Revier einschwimmenden Weibchen ab. Dabei werden die klebrigen Eier gern in ein feines Substrat geschleudert. Ein Büschel Javamoos oder auch ein aus Kunstwolle hergestellter Mopp sind beliebte Ablaichplätze und für den Aquarianer leicht aus dem Aquarium zu entfernen. Wenn man diese Mopps alle acht bis zehn Tage austauscht und in ein gesondertes Aquarium bringt, hat man bald eine Menge Jungfische zu versorgen, die bei den genannten Temperaturen etwa zwölf bis 14 Tage zum Schlupf benötigen. Sie schwimmen knapp unter der Wasseroberfläche und brauchen kleinstes Futter. Ideal sind Pantoffel- oder Rädertierchen, doch zur Not tut es auch eine winzige Menge Kaffeeweißer, die man auf die Oberfläche streut.

Die Jungfische richtig aufziehen

Das A und O der Aufzucht sind - wie generell bei allen Nachzuchten von Aquarienfischen - das Wasser und das Futter. Beides muss in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sein. Man kann die Jungfische von Melanotaenia praecox auch zu vielen Hundert Exemplaren in relativ kleinen Aquarien aufziehen, wenn die Wasserqualität immer gleich bleibend gut ist. Da die Jungfische sehr viel fressen und möglichst mehrmals täglich Futter bekommen sollten, ist das Wasser durch ihre Stoffwechselprodukte immer gleich sehr stark belastet. Häufige Teilwasserwechsel halten die Stickstoffkonzentration im Aufzuchtwasser niedrig. Vernachlässigt der Züchter das Wasserwechseln, so werden die Jungfische benachteiligt. Sie werden nicht richtig auswachsen und niemals die volle Farbenpracht und Endgröße ihrer Eltern erreichen. Nachlässige Züchter bestrafen sich somit selbst, denn sie haben die schlechte Qualität ihrer Nachzuchten selbst zu verantworten.

"Dampfzüchterei" - Massen zu Minipreisen

Wegen der enormen, weltweiten Beliebtheit von Melanotaenia praecox hatten sich schon bald professionelle Zuchtbetriebe in Südostasien der massenhaften Vermehrung dieser Devisenbringer verschrieben. Die "Dampfzüchterei" im großen Stile hat leider ihre Spuren hinterlassen. In Massen zu Minipreisen auf den Markt geworfene, qualitativ immer schlechter werdende Fische ließen hiesige Züchtereien das Handtuch werfen und schon jetzt sieht man wirklich gute Tiere nur noch selten. Doch einige engagierte Züchter vermehren noch den Urstamm, und so sieht man hin und wieder noch die kräftig gebauten, hochrückigen, stahlblauen Männchen mit den roten Flossen, die diese Art so berühmt gemacht haben.

© Hans Georg Evers