Das Aquaristik-Magazin
bei aquaristikartikel.com
Fachartikel, Videos und
Bildergalerien

Ein erfreulicherweise recht häufig gepflegter Fiederbartwels aus der Familie Mochokidae ist Synodontis petricola. Diese aus dem Tanganjikasee stammende Art wird seit geraumer Zeit zu uns eingeführt und ist daher hin und wieder im Zooladen zu bekommen. In der Regel handelt es sich oft um Wildfänge, die dann zu einem meist relativ hohen Preis angeboten werden. Doch lohnt es sich trotzdem, es einmal mit diesen hübschen Welsen zu versuchen, deren Haltung nicht schwierig ist und die bei richtiger Pflege schnell zu Familienlieblingen avancieren.

Ihrer Herkunft gemäß lassen sich die bis zu 25 Zentimeter langen Synodontis petricola gut mit Buntbarschen aus dem Tanganjikasee vergesellschaften. Sie selbst sind ausgesprochen friedlich und können den manchmal doch etwas ruppigen Attacken revierverteidigender Buntbarsche sehr geschickt ausweichen. Buntbarsche und Fiederbartwelse leben auch im See gemeinsam miteinander in den gleichen Biotopen, und manche Aquarianer richten ihre Aquarien gern mit vielen Versteckplätzen in Form von Schieferplatten und großen Steinen ein. In solchen Aquarien sind es immer die Fels aufbauten im Hintergrund, die von den anfangs etwas scheuen Fiederbartwelsen bezogen werden. Doch nach einiger Zeit kommen auch die Synodontis petricola regelmäßig, besonders bei Futtergaben, hinter den Felsen hervor und sind dann gut zu betrachten.
Es gibt bestimmte Arten von Fiederbartwelsen aus dem Tanganjikasee, die in ihrer Fortpflanzungsweise ein Kuckucksverhalten entwickelt haben. Das heißt nichts anderes, als dass sie anderen Fischen ihre Eier unterschieben, wobei in diesem Falle Buntbarsche die Opfer sind. Wegen dieser Angewohntheit bezeichnet man sie recht zutreffend als Kuckuckswelse. Zumindest für eine Art von Fiederbartwelsen aus dem Tanganjikasee ist dieses Verhalten bislang sicher belegt; es wurde bei Synodontis multipunctatus schon oft auch im Aquarium beobachtet. Auch für Synodontis petricola wurde dieses Verhalten bislang angenommen, allerdings zu unrecht, offenbar weil er oft mit dem sehr ähnlich gefärbten Synodontis multipunctatus verwechselt wird. Ebenfalls sehr ähnlich ist auch der aus dem Tanganjikasee stammende Synodontis polli. Für ihn nimmt man auch das Kuckucksverhalten an, doch konnte man dergleichen im Aquarium noch nicht beobachten und damit bestätigen.

So haben wir es also mit drei sehr ähnlichen und offenbar auch oftmals miteinander verwechselten Arten zu tun. Synodontis multipunctatus und Synodontis petricola werden immer einmal eingeführt. Wenn man etwas genauer hinsieht, kann man beide Arten ganz gut voneinander unterscheiden. Dazu betrachtet man am besten die Färbung der Brustflossen und der Rückenflosse. Bei Synodontis petricola sind die ersten Strahlen weiß gefärbt, gefolgt von einer schwarzen Zone. Bei Synodontis multipunctatus ist es genau umgekehrt. Letztgenannte Art wird auch etwas größer und vor allem hochrückiger, so dass es bei ausgewachsenen Tieren kein Problem ist, die Artzugehörigkeit festzustellen. Synodontis polli ist ebenfalls kompakter und hochrückiger als Synodontis petricola, zeigt aber genau dessen Flossenmuster. Allerdings ist Synodontis polli viel seltener und gelangt allenfalls zufällig einmal als Import zu uns. Mittlerweile wurden von Wissenschaftlern noch weitere Arten beschrieben und Namensumstellungen vorgenommen, die es einem jedoch nicht unbedingt leichter machen, seine Pfleglinge korrekt zu bestimmen.

Von Synodontis petricola gibt es offenbar einige Farbmorphen, die entweder dunkler oder heller im Körper gefärbt sind. Das ist bei der Größe des Tanganjikasees auch nicht verwunderlich, und die Art ist im gesamten See verbreitet. Dies gilt übrigens auch für seinen Vetter Synodontis multipunctatus, doch sehen die Tiere dieser Art eigentlich immer gleich aus.

Synodontis petricola lassen sich in jungen Exemplaren schon in relativ kleinen Aquarien ab 60 bis 80 Liter Inhalt gut unterbringen. In einem solchen Aquarium lässt sich ein Pärchen auch regelrecht zur Zucht ansetzen. Am besten ist es, man lässt das Weibchen einige Tage bis Wochen allein in diesem Aquarium und füttert es sehr gut, so dass es einen deutlichen Laichansatz bekommt. Unmittelbar nach einem kräftigen Wasserwechsel setzt man das Männchen hinzu, welches meist schon wenige Minuten nach dem Einsetzen auf das Weibchen zuschwimmt und um dessen Gunst wirbt. Dabei kann es manchmal recht rabiat zugehen, und das Weibchen wird ordentlich geknufft und durch das Aquarium getrieben. Nach einigen Tagen, begleitet von stärkeren Wasserwechseln, kann man mit etwas Glück bis zu 300 kleine transparente Eier auf Steinen oder dem Beckenboden entdecken.

Schnell kann man nun die Eier absaugen und gesondert aufziehen. Bei 27°C schlüpfen die Jungfische schon nach etwa einem Tag und benötigen noch drei bis vier Tage, um ihren Dottersack abzubauen. Danach gehen sie sofort an angebotene Artemia-Nauplien, die über die ersten Wochen hinweg das Hauptfutter bilden können. Zunächst noch weißlich transparent, bilden sich nach etwa fünf bis sechs Wochen die ersten Pigmentflecken auf den Körpern der kleinen aus. Nach etwa drei Monaten sind alle schon so um die zwei Zentimeter groß und zeigen eine typische, schwarzweiße Bindenzeichnung auf dem Körper, die mit zunehmendem Alter und Größe langsam in die Erwachsenenfärbung übergeht. Allerdings muss sich der Züchter ab etwa diesem Stadium in stärkerer Geduld übern. Denn nun ist die Zeit des rapiden Wachstums erst einmal vorüber, und die kleinen Fiederbartwelse wachsen eher im Zeitlupentempo weiter. Viele Wasserwechsel und noch mehr Futter sind nötig, bis aus den niedlichen, vier Zentimeter langen Gesellen eines Tages erwachsene Tiere geworden sind, die dann selbst für Nachwuchs sorgen. Das ist frühestens nach zwei Jahren der Fall, eher dauert es noch länger, bis die Weibchen Laich ansetzen und die jungen Männchen ihr Interesse bekunden.