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Blaupunktsalmler - Copella nattereri

Mit den populären Bezeichnungen von Fischen ist es nicht immer weit her. Der hübsche Schlanksalmler Copella nattereri etwa heißt auch Blaupunktsalmler. Doch wie immer der Populärname auch zustande gekommen sein mag - Copella nattereri besitzt keine blauen Punkte! Auf jeder Körperschuppe leuchtet dafür ein roter Punkt, eine Zier, die diesen Salmler besonders hübsch aussehen lässt. Doch damit nicht genug, es gibt inzwischen sogar einige Formen, die sich hinsichtlich der Färbung leicht voneinander unterscheiden.

Schön warm soll es sein

Copella cf. nattereri
Rote Punkte: Copella cf. nattereri.

Die zierlichen Copella nattereri werden maximal etwa sechs Zentimeter lang und benötigen auch auf Grund ihres ruhigen Schwimmverhaltens keine großen Behälter, um sich wohl zu fühlen. Ein Aquarium von 60 Zentimeter Kantenlänge reicht schon vollkommen aus, um eine kleine Gruppe von sechs bis acht Tieren aufzunehmen. Eine dichte Randbepflanzung ist unbedingt nötig. Dabei sollten großblättrige Pflanzen, etwa Anubias-Arten, nicht fehlen, da die Fische solche Blätter gerne als Ablaichsubstrat benutzen. In Amazonien ist es immer warm, die Wassertemperatur sollte dementsprechend mit 25° bis 28°C relativ hoch sein, ja sie kann in Ausnahmefällen sogar bis auf 30°C ansteigen, ohne dass die Tiere dadurch Schaden nehmen.

Im Rio Negro zuhause

Überall am unteren, mittleren und oberen Rio Negro findet man in den Laubschichten der Igarapés-Flussarme die hübsche Copella nattereri. Die Art fällt vor allem durch die roten Punkte auf, die gleichmäßig über den gesamten Körper verteilt sind. Dabei scheint es Unterschiede hinsichtlich der Färbung der Tiere von unterschiedlichen Standorten zu geben. Immer jedoch besiedeln sie die Schwarzwasserbiotope. Man findet die Art etwa auch bei São Gabriel da Cachoeira am oberen Negro in den Mündungsbereichen der Igarapés. Die hier gefangenen Copella nattereri zeigen eine wunderschöne rosafarbene (!) Iris - eine Farbe, die man bei Fischen nicht oft gesehen hat. Leider verwindet diese besondere Färbung jedoch bei der Pflege im Aquarium.

Eigene Strategien der Vermehrung

Copella nattereri
Männchen: Copella nattereri.

C. nattereri scheint bevorzugt auf Blättern in Oberflächennähe zu laichen, manchmal legen sich die Geschlechtspartner auch auf im Wasser schwimmende Blätter und laichen bei nur wenigen Millimeter Wasserstand ab. Das Männchen behütet dann, wie auch bei den anderen Arten der Gattung Copella, das Gelege bis um Schlüpfen der winzigen Larven. Bezüglich der Vermehrungsstrategie von Copella nattereri gibt es unterschiedliche Beobachtungen. Es wurde sowohl außerhalb des Wassers gelaicht als auch knapp unter der Wasseroberfläche auf vorgefundenen Blättern von Wasser- und Sumpfpflanzen. Offensichtlich ist Copella nattereri hier recht flexibel. Vielleicht aber unterscheiden sich die Populationen dieser immerhin recht weit verbreiteten Art hinsichtlich der Fortpflanzungstechnik auch schon etwas voneinander.

Neue Zeichnungsvariante?

Vor einigen Jahren gelangte mit einer Sendung aus Brasilien - leider ohne genauere Fundortangabe - zum ersten Mal eine Copella-Art nach Deutschland, die sehr an Copella nattereri erinnert; sie bleibt jedoch etwas kleiner und weist bedeutende Färbungsunterschiede auf, die es angeraten erscheinen lassen, von Copella cf. nattereri zu sprechen. Zeigt der ‚echte' C. nattereri eigentlich eher selten eine dunkle Längsbinde, so zeigen die Tiere der anderen Form diese Binde immer. Die Binde selbst wird jeweils oben und unten von einer roten Punktreihe begrenzt und leuchtet bei seitlich auffallendem Licht bläulich. Der Schwanzstiel an der Basis zur Schwanzflosse schimmert rötlich. Ob es sich nur um eine Zeichnungsvariante von C. nattereri handelt oder etwa eine Unterart, ist noch zu klären.

Nicht ganz einfach zu züchten

Copella nattereri
Weibchen Copella cf. nattereri.

Zuchtversuche mit Copella nattereri sind nicht immer von Erfolg gekrönt; vor allem das Zuchtwasser muss weich und sauer sein, und die Tiere mögen es ruhiger. Zu diesem Zweck richtet man ein 20 Liter fassendes Aquarium mit reinem Umkehrosmosewasser her und gibt dem Wasser einige Erlenzäpfchen bei, die den pH-Wert auf 6,5 senken. Neben reichlich Javamoos und Riccia fluitans an der Wasseroberfläche werden auch noch einige großblättrige Anubias eingesetzt, die als mögliche Ablaichstelle vorgesehen sind. Um den Tieren die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb des Wassers zu laichen, lässt sich ein kleiner Trick anwenden: Man knipst ein Blatt der Efeutute (Scindapsus sp.) von der Fensterbank ab und legt es vorsichtig auf die Wasseroberfläche des Zuchtaquariums, wo es halb eingetaucht schwimmt.

Abends wird gelaicht

Nach dem Einsetzen des Paares dauert es meist nur wenige Tage, und das Männchen hat eine geeignete Stelle für sich entdeckt. Kommt das laichvolle Weibchen in seine Nähe, schwimmt das Männchen schon mal vor und legt sich zunächst allein auf das Blatt. Nach kurzer Zeit schon folgt ihm das Weibchen, und nebeneinander liegend laichen die Partner die ersten winzig kleinen und glasklaren Eier ab. Das Ablaichen, das stets in den Abendstunden erfolgt, dauert etwa zwei Stunden, danach übernimmt das Männchen allein die Wache. Leider sind die Männchen oftmals eher unzuverlässige Patrone, und die Eier sind anderntags vollständig verschwunden. Nach dem nächsten Laichen sollte man deshalb das Blatt mit dem Laich entnehmen und die Eier vorsichtig in ein Gefäß mit Beckenwasser abstreifen.

Die Jungtiere aufziehen

Copella nattereri
Copella nattereri sind etwas blasser

Nach etwa 30 Stunden sieht man die ersten ‚Glassplitter' an den Gefäßseiten. Die Jungfische brauchen in den ersten Tagen Räder- oder Pantoffeltierchen. Das Wasser muss dabei klar bleiben, da bei Verschmutzung leicht die gesamte Brut eingeht. Will man nur wenige Jungfische aufziehen, genügt es schon, einen großen Busch Javamoos und/oder Riccia zu nehmen und dies zusammen mit dem Zuchtwasser und den Larven in ein kleines Glasbecken zugeben. Will man viele Junge aufziehen, braucht es entsprechende Mengen Räder- oder Pantoffeltierchen, bevor man auf Artemien umstellen kann. Eigentlich ernähren sich die Schlanksalmler in der Natur von Anfluginsekten, was sie natürlich auch im Aquarium gern tun, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Doch ist Copella nattereri im Aquarium auch leicht an Ersatznahrung zu gewöhnen. Schon nach kurzer Zeit fressen sie gierig die auf das Wasser gestreuten Futterflocken. Wer züchten will sollte aber unbedingt Lebendfutter - etwa Wasserflöhe, Cyclops oder noch besser, weiße und schwarze Mückenlarven - zufüttern, damit die Weibchen genügend Laich ansetzen.

© Hans Georg Evers